Die Geschichte des Hubertuscorps Hoisten 1960

In der St. Hubertus-Schützenbruderschaft Hoisten marschierten nach dem zweiten Weltkrieg keine Hubertusschützen mit. Peter Lauhus, seit über 40 Jahren Spielmann im Tambourcorps Hoisten, wollte dies ändern und setzte sein Ansinnen auch in die Tat um. Während und nach dem Schützenfest des Jahres 1960 sprach er Hoistener Männer, aber auch Neubürger, mit den Worten an: „Ech mot met üch ens kalle“. Die meisten Hoistener waren in dieser Zeit bereits in die bestehenden Corps eingebunden. Durch seine freundliche Art und durch Unterstützung seines Schwagers und Ehrenbrudermeisters Mathias Helten, konnte er Männer – überwiegend Neubürger – für seine Idee begeistern und in die Dorfgemeinschaft integrieren.

Zum Schützenfest 1961 meldet Peter Lauhus dem Oberst Hubert Wolf einen Hubertuszug mit der stattlichen Stärke von 10 Mann. Während der Parade am Sonntagnachmittag konnte man am Beifall der Zuschauer feststellen, dass sich die vielen Trainingseinheiten für die Parade gelohnt hatten und der 1. Hubertuszug akzeptiert wurde. Auffallend war jedoch, dass diese Schützen ohne das obligatorische Gewehr an den Umzügen und Paraden teilnahmen. Hintergrund war hierfür, dass die meisten der jungen Männer die Schrecken des Krieges als Soldaten miterlebt und sich geschworen hatte, sich nie wieder mit einem Gewehr zu präsentieren. Trotz der anfänglichen Verwunderung und der jahrzehntelangen Versuche und Anfragen der Bruderschaftsführung, dies zu ändern, blieben die Hubertusschützen diesem Gedanken treu und tragen daher bis heute kein Gewehr.

Im Jahr 1962 marschierten dann zwei weitere Schützen mit den Reihen des Zuges und eine erste Schwenkfahne mit dem Hubertusemblem wurde bei den Paraden und Umzügen mitgeführt.

Nachdem sich zunächst ein reges Zugleben entwickelte, zeigte sich ein erster Erfolg der offenen Art des Corps. Es fanden sich die ersten Jungschützen und gründeten 1964 den 2. Hubertuszug „Waidmannsheil“. Im selben Jahr gab sich der bis dato namenslose 1. Zug den Namen „In Treue fest“ und es war so ein weiterer Schritt in Richtung eines „richtigen“ Corps getan.

Das Jahr 1967 sollte dann ein sehr ereignisreiches Jahr für die Grünröcke werden. Der 1. Hubertuszug entschloss sich ein eigenes Hubertusheim zu bauen, um so einen Ort für das Zug- und Corpsleben zu haben. Erprobt und mit der Erfahrung durch den Bau der eigenen Häuser wurden die Ärmel hochgekrempelt und in Eigenleistung ein schmuckes Heim errichtet. Dieses Ärmel hochkrempeln hatte wohl Signalwirkung, ein dritter Zug wurde gegründet. Die bis dahin gezeigten Leistungen und das Engagement für die Bruderschaft veranlassten den damaligen Generaloberst Hubert Wolf dazu Peter Lauhus unter dem tosenden Jubel seiner Kameraden zum Major zu befördern und die Hubertusschützen entgültig zu einem „richtigen“ Corps zu machen. Von dieser Welle der Euphorie beflügelt gelang es dann Felix Schäfer am Schützenfestmontag den Königsvogel von der Stange zu holen und gemeinsam mit seiner Ehefrau Elisabeth im Regentschaftsjahr 1968 / 69 das erst Königspaar des Corps zu sein.

Das Jahr 1969 kann dann eher als ein schwarzes Jahr für das Corps bezeichnet werden. Am 20. April wird das mit viel Schweiß und Idealismus errichtete Hubertusheim ein Raub der Flammen. Nachdem der erst Schock jedoch überwunden ist, richten die Männer den Blick nach vorne und ein Neubau wird geplant und in Angriff genommen. Bereits am 1. März 1970 erfolgt mit der Feier des 70. Geburtstages des Majors Peter Lauhus die Einweihung des neuen Heimes, das von nun an für 25 Jahre die Heimstätte der Schützen sein sollte.

Da etliche Mitglieder des Corps mittlerweile dem Schießsport zugetan waren, entschloss man sich 1971 an das Hubertusheim einen Schießstand mit zwei Bahnen anzubauen. In diesem Zusammenhang wurde dann auch ein neues Luftgewehr gestiftet. In der neu geschaffenen Anlage wurden unter fachlicher Aufsicht und Anleitung Übungsschießen für Schüler und Jungschützen angeboten, die rege besucht wurden und zu vielen Erfolgen führten. Ferner widmete man sich dem Fahnenschwenken und bereicherte somit, das Bild des Regimentes. In dieses Jahr fällt dann die Gründung des Zuges „Mer dörve“. Das Ende des Jahres wurde jedoch von einem Schatten überzogen. Am 21. Dezember verstarb der Gründer des Corps Peter Lauhus und wurde unter großer Anteilnahme der Hubertusschützen zu Grabe getragen.

Am 7. März 1972 wird der bisherige Hauptmann des 1. Zuges, Ernst Reichl zum neuen Major gewählt. Nachdem zwischenzeitlich eine eigene Fahne angeschafft worden war gründete sich 1976 die Fahnenkompanie des Corps. Im gleichen Jahr gründet der 1. Hubertuszug „In Treue fest“ aus der Begeisterung für den Schießsport einen Schießsportclub und legt damit den Grundstein für eine Vielzahl von Siegen bei den Pokal- und Preisschießen der Bruderschaft.

1978 folgten dann wiederum dem Beispiel ihrer Väter 6 junge Burschen und gründeten den 6. Hubertuszug „Feste Burschen“.

1980 musste nach nur 8 Jahren an der Spitze des Corps Ernst Reichl aus gesundheitlichen Gründen sein Amt als Major niederlegen. In der darauf folgenden Versammlung wurde Hans Willi Wankum zu seinem Nachfolger gewählt und schlug als erste Amtshandlung vor, Ernst Reichl zum Ehrenmajor zu ernennen, was auch einstimmig geschah.

16 Jahre nach dem ersten Hubertusschützen auf dem Königsthron der Bruderschaft, folgte 1984 Hans Willi Küpper als zweiter Schützenkönig aus den Reihen des Corps.

Im Jahr 1985 konnten dann die Hubertusschützen mit ihrem 25-jährigen Bestehen erstmals ein Jubiläum feiern. 1987 drohte dem Schießsport in der Hoistener Bruderschaft eine ernsthafte Krise, da auf einmal kein Schießstand mehr zur Verfügung stand. Hier konnten die Hubertusschützen ein weiteres Mal beweisen, dass sie voll hinter der Bruderschaft standen und stehen. So war es eine Selbstverständlichkeit, dass man der Bruderschaft für die Schießveranstaltungen das Hubertusheim und den dazugehörigen Schießstand zur Verfügung stellte. Dies dauerte bis zur Errichtung eines neuen Schießstandes in Hoisten im Jahre 1992 an.

Hans Willi Wankum sorgte dann 1988 dafür, dass die Hubertusschützen nicht wieder 16 Jahre warten mussten, bis aus ihren Reihen ein Schützenkönig hervorgehen sollte. Diese Königswürde animierte weitere Jungschützen und Hoistener Neubürger dazu sich der Bruderschaft und Corps anzuschließen und es gründeten sich die Züge „Mer könne et och“ (der sich später in „Echte Fründe“ umbenannte) und „Fürst Pless“.

Aus dem Zug „Fürst Pless“ kam dann 1993 mit Hans Bayer der vierte Schützenkönig des Corps.
Am 1. Mai 1994 lief der Pachtvertrag für das Grundstück des Hubertusheimes aus, welcher nicht verlängert wurde, sodass wahrlich eine Ära zu Ende ging.

Anscheinend hat sich in den Herzen der Hubertusschützen ein gewisser Rhythmus eingeschlichen, der nach einem neuen Schützenkönig ruft. Und so trat 1998 Friedhelm Lutter an die Vogelstange um sich für das Jahr 1999 die Regentschaft über die Hoistener Schützen zu sichern.

Das Jahr 2000 stand dann nicht nur im Zeichen des neuen Jahrtausends, sondern war wieder einmal das Jahr der Hoistener Hubertusschützen. Man konnte mit dem 40-jährigen Bestehen sein 2. Jubiläum feiern, was mit einem Festkommers vor dem Schützenfest auch im Dorfsaal getan wurde. Neben der Freude und Jubel hierüber, zeigten sich aber auch die Tränen des Abschiedes auf dem Antlitz der Schützen. In diesem Jubiläumsjahr marschierte der Gründungszug des Corps, der 1. Hubertuszug „In Treue fest“, letztmals aktiv mit über den Paradeplatz. Die Mitglieder des Zuges beendeten altersbedingt ihre aktive Laufbahn, um sich dann als Passive Mitglieder aktive dem Schützen- und Corpsleben zu widmen. Durch ihr engagiertes Mitwirken am Schützenwesen in Hoisten und den Einsatz im Vorstand der Bruderschaft, haben die Männer des Zuges hohe Maßstäbe gesetzt und sind leuchtende Vorbilder für die jüngeren Schützen, sich für eine Gemeinschaft und das Gemeinwohl einzusetzen und nicht nur Konsumenten zu sein.

Nachdem Major Hans Willi Wankum und sein Adjutant Ulrich Weber die Hubertusschützen sicher und mit ruhiger Hand ins neue Jahrtausend geleitet hatten, traten die beiden 2001 nicht mehr zur Wiederwahl an und beendeten nach 20 Jahren ihre Tätigkeit als Corpsvorstand. Diesen beiden gebührt ein großer Dank für ihre Verdienste um das Corps. Es gelang ihnen immer wieder sowohl der Interessen der jüngeren und älteren Schützen unter einen Schützenhut zu bringen und schafften es, mit dem richtigen Maß an Nachsicht, die Jugend im Zaume zu halten, wenn diese etwas zu forsch in die eine oder andere Richtung drängte. Sie verstanden es immer wieder die jungen Züge mit einzubinden und so dahin zu führen, Verantwortung zu übernehmen. Zu ihren Nachfolgern wurden Major Dirk Tenberken und sein Adjutant Markus Jonen gewählt. Für ihre Verdienste für das Corps wurden Willi Wankum und Ulrich Weber zum Ehrenmajor und Ehrenadjutanten ernannt. Während die beiden die Arbeit für das Corps nur auf ihren Schultern verteilt hatten, ging der neue Major dazu über den Vorstand mit neuen Personen zu besetzten und diese stärker mit in die Verantwortung und Arbeit einzubinden, um so neue Impulse zu setzen. Am 31. März des Jahres verstirbt dann der ehemalige Major Ernst Reichl. Im selben Jahr werden dann zwei neue Züge, „Waidmannsdank“ und „Jut breet“, ins Leben gerufen. Da der bisherige Hauptmannszug „In Treue fest“ im Vorjahr letztmalig aktiv war, wird mit der Wahl zum neuen Hauptmannszug „Waidmannsheil“ dessen Zugführer Friedhelm Lutter Hauptmann des Corps. Drei Schützenfeste später folgt 2004 dann die Gründung des Zuges „Grüne Raben“.

2005 war dann die Zeit wieder reif einen neuen Schützenkönig zu stellen. Im Vorjahr war Major Dirk Tenberken dem Ruf des Königssilbers erlegen und hatte sich die Würde des Schützenkönigs für das Regentschaftsjahr 2005 / 2006 erkämpft.

Entgegen des bisher gewohnten Rhythmus trat mit Klaus Reichl bereits im Jahr 2008 der 7. Schützenkönig aus den Reihen des Corps an die Spitze des Hoistener Regiments.

Das Jahr 2009 brachte dann erneut einen Wechsel in der Hierarchie des Corps. Nachdem sich der Hauptmannszug „Waidmannsheil“ nicht mehr zu Wahl stellte, ging dieses Amt auf den Zug „Echte Fründe“ über, der damit seinen Zugführer Andreas Helten zum Hauptmann befördern konnte. Das Ende des Jahres brachte dann eine weitere Verstärkung für das Hubertuscorps. Aus den Reihen der Edelknaben bildete sich der neue Zug „Hubertusfalken, der im Jahr 2010 erstmals seine Parade vor dem Schützenkönigspaar abhalten wird. Angesichts des Jubiläums hätte das Hubertuscorps gerne den Schützenkönig des Jahres 2010 gestellt. Mit Adjutant Markus Jonen, der bereits 2003 einmal seinen Hut in den Ring geworfen hatte, trat ein Bewerber aus dem grün-schwarzen Corps an die Vogelstange. In einem spannenden Schießen war ihm jedoch das Glück nicht holt und er unterlag Holger Küpper, der auch bereits im Vorjahr an diesem Wettkampf teilgenommen hatte. Da Holger Küpper aber selber einmal in den Reihe der Hubertusschützen marschierte und sein Vater noch heute dem Corps angehört, fühlt sich das Corps doch ein bisschen als König.

Dass das Beispiel des 1. Hubertuszuges „In Treue fest“ sich für die Bruderschaft und Dorfgemeinschaft einzusetzen immer noch nachwirkt, kann man auch daran erkennen, dass mit Klaus Reichl als 1. Schießmeister, Marcus Baumgarth als Pressewart und 2. Schießmeister und Klaus Kowalski als 2 Kassier 3 Schützen des Corps im engeren Vorstand der Bruderschaft vertreten sind.


Das Hubertuscorps Hoisten wünscht allen Gästen und den Schützen ein schönes und geselliges Schützenfest.

 

Die Schützenkönige des Hubertuscorps

1968/69
Felix Schäfer
In Treue fest
1984/85
Willi Küpper Waidmannsheil
1988/89 
Willi Wankum Waidmannsheil
1993/94
Hans Bayer  Fürst Pless
1999/00 
Friedhelm Lutter  Waidmannsheil
2005/06  
Dirk Tenberken Feste Burschen
2008/09  
Klaus Reichl   Mer dörve
   

Die Corpskönige des Hubertuscorps Hoisten

1975
Willi Küpper 1993    Hermann Neukirchen
1976
Conny Blazic 1994    Hermann Bausch
1977
Felix Schäfer  1995    Heinz-Josef Nellißen
1978 Frank Meinders 1996    Friedhelm Lutter
1979 Willi Wankum 1997    Peter Tenberken
1980 Frank Petz 1998    Hans-Jakob Beckers
1981 Klaus Patsch 1999    Günter Antony
1982 Karl Leicht   2000    Adalbert Back
1983 Hans Elske 2001    Michael Klösters
1984 Conny Blazic  2002    Heinz-Peter Kluth
1985 Manfred Filipiak   2003    Horst Marquardt
1986 Fritz Wardin 2004    Frank Gürtler
1987 Joachim Krause 2005    Ralf Nellißen
1988 Christoph Beckmann        2006    Björn Kuhlmann
1989 Adalbert Back  2007    Albert Petz
1990 Norbert Wardin   2008    Dirk Tenberken
1991 Ulrich Weber   2009    Peter Tenberken
1992 Frank Beiz  

 

Die Majore und Adjutanten des Hubertuscorps
                                     

1960 – 1971 
Peter Lauhus 
1960 – 1980  
Karl-Heinz Höynck
1972 – 1980 Ernst Reichl      
1980 – 2001 Hans-Willi Wankum 1980 – 2001 Ulrich Weber
ab 2001  Dirk Tenberken    ab 2001 Markus Jonen
       

 

 

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